Von Eidgenossen und Schlawinern

Der Name deutet es schon an. Die Musiker vom Trio Euter wissen noch, dass die Milch von der Kuh kommt und nicht aus dem Tetrapack. Aber sie sehen halt nicht ein, weshalb die Volksmusik nur für diejenigen sein soll, die selber melken können.

Weil, eigentlich, wenn man es sich recht überlegt, dann muss man doch einfach zugeben, dass eine Menge gegangen ist, seit man Alpaufzüge aus der Liste der Volkssportarten streichen musste. Das Frauenstimmrecht wurde eingeführt, Scheidungen sind neuerdings an der Tagesordnung, das Fensterlen ist wegen der Hochhäuser aus der Mode gekommen, die Schweiz der UNO beigetreten (und trotzdem noch neutral) und der Rock’n’Roll hat angefangen und bisher nicht mehr aufgehört. Was also tun, in Zeiten in denen sogar die „Volksmusik“ nicht mehr im Volk wurzelt?

Das Trio Euter besinnt sich einfach wieder auf die richtig alten Schweizer Volkslieder. Macht ihnen mit ein bisschen Rockmusik Dampf unterm Allerwertesten, umgarnt sie mit Respekt und lässt sie los aufs Publikum. Und siehe da. Die alten Eidgenossen wussten nicht nur ums Kiffen, das waren auch ausgemachte Schlawiner, mit einem Liebchen hier und einem im nächsten Dorf. Und auch mit einem Schnäpschen stielt man dem lieben Gott nicht gleich den Tag.

Während man also erstaunt fest stellt, dass Volksmusik nicht nur Blockflöten-Unterricht bedeuten muss, sondern auch mit dem Leben heute zu tun haben kann und mit einer Rock’n’Roll-Einstellung, die Autoritäten grundsätzlich misstraut und den Mutterwitz als Opposition einsetzt – während man also noch verwundert den Kopf schüttelt, kommt das Trio Euter mit Songs neueren Datums, die ganz dieser Tradition folgen. Dem Schacher Seppli, beispielsweise. Und weil der Sepp eigentlich ein Hit ist, ist man jetzt in der Nähe der „neuen Volksmusik“, weil hinter Ruedi Rymanns populärstem Lied muss sich Matter, Mani nicht verstecken oder die West, Züri, was ja noch viel lauter aufbegehrte. Dem Trio Euter hingegen reicht die Deutlichkeit. Sein Instrumentarium braucht keinen Strom, funktioniert auf
Bühnen so gut wie bei Stubeten oder in Fussgängerpassagen. Und wenn da jetzt ein kleines bisschen „zurück zur Natur“ anklingt, kommt das nicht von ungefähr: Milch von der Kuh ist nicht „gruusig“, das UHT-Zeugs aus der Plastikflasche hingegen schon.
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BACKSTAGE last update 22.09.2017 www.zugformation.ch